Gemeinsame Haltungsformen

Gemeinsame Haltungsformen

Aufgrund verschiedener Faktoren der Haltung (v. a. hohe Besatzdichten und Gruppengrößen) sind die Legehennen aller Haltungsformen insbesondere jedoch der alternativen Haltungssysteme häufig von Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus betroffen, was regelmäßig mit schweren Verletzungen einhergeht (s. u.). Obwohl seit langem bekannt ist, dass das Auftreten von Federpicken und Kannibalismus von verschiedenen Faktoren verursacht wird, wird den Tieren als Gegenmaßnahme im Kükenalter routinemäßig und ohne Betäubung der Schnäbel gekürzt. Dies ist mit akuten und teilweise auch chronischen Schmerzen verbunden (s. u.). Bekannt ist zudem seit einiger Zeit, dass es keinen Zusammenhang zwischen kupierten Schnäbeln und der Federpickaktivität an sich gibt. Schnabelkupierte Tiere haben nur dadurch eine verbesserte Befiederung, weil die Tiere die Federn schlechter mit dem verstümmelten Schnabel erfassen und herausreißen können. Durch das als Gegenmaßnahme gängige Schnabelkürzen wird also das gestörten Verhalten nicht verhindert, sondern nur die Schäden reduziert. Einzig in der Biohaltung ist dieser Eingriff verboten.

Werden viele Legehennen in einem Raum gehalten, ist eine Luftverunreinigung und Schadgasentstehung unvermeidlich. Insbesondere Ammoniak spielt wie in anderen großen Tierhaltungen auch in der Legehennenhaltung eine gewichtige Rolle. Das Gas entsteht durch die Zersetzung der Ausscheidungen und hat einen stechenden Geruch. Durch seine reizende Wirkung wirkt es schädigend auf die Atemwege der Tiere. Auch die Staubbelastung stellt eine gesundheitliche Belastung der Tiere und des Personals da. Der Staub besteht hauptsächlich aus Hautschuppen und Federn aber auch Futterresten und Einstreu. Hinzu kommt, dass er als Träger für Bakterien, Viren aber auch Pilzen und somit von Krankheiten dient. Besonders problematisch sind kleine Staubpartikel, da sie direkt in die Lunge gelangen und dort Schäden verursachen. Um die Staubbelastung gering zu halten, wird den Tieren, wenn überhaupt, dann meist nur wenig Einstreumaterial zur Verfügung gestellt (s. u.).

Gemeinsam ist den Legehennen aller Haltungssysteme, dass sie dort ausschließlich dazu dienen, durchweg und in hohen Mengen Eier zu legen. Während die Hennen ihrer Vorfahren, die in Südostasien lebenden Bankivahühner, lediglich bis zu vier Mal jährlich ein Gelege von 5 10 Eiern (bzw. bis zu 40 Eier im Jahr) hervorbringen, sind die heute genutzten Hochleistungshennen dazu gezwungen, 296 Eier im Jahr zu legen und das ohne Unterbrechung. Diese hohe und von den Jahreszeiten unabhängige Legeleistung wird erreicht durch das Zusammenspiel von künstlichen Beleuchtungsprogrammen und der extremen Über-züchtung der Tiere.

Zur Eierproduktion wurden spezielle sogenannte Hybriden herangezüchtet, bei denen Merkmale wie eine hohe Legeleistung und ein hohes Eigewicht (zuungunsten anderer Merkmale) vorangetrieben wurden. Diese Legehybriden werden in Deutschland unter rein sachlichen Bezeichnungen wie Lohmann LSL Classic (für weiße Eier) und Lohmann Brown Classic (für braune Eier) vom Zuchtunternehmen Lohmann Tierzucht verkauft.

Auch in den alternativen Haltungsformen werden diese Hybriden eingesetzt. Gezüchtet werden diese Rassen nur noch von vier weltmarktbestimmenden Unternehmen. Im Verhältnis dazu gab es Ende der 1960er-Jahre noch circa 50 Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich mit der Zucht von Legehennen beschäftigten. Von den vier heutigen Zuchtunternehmen erzeugen allein zwei mehr als 90 % der Legehennen. Mit dieser Zentralisation auf wenige Betriebe können diese den Markt dominieren und bestimmen, welche Rassen und Hybride überhaupt angeboten werden.

Aufgrund der permanenten Legebelastung leiden Legehennen oft unter schwerwiegenden Krankheiten, die zum frühzeitigen Tod der Tiere führen können. Ein langes Leben ist den Hennen aber ohnehin nicht vergönnt. Sobald ihre Legeleistung nach etwa 12-15 Monaten nachlässt, werden sie geschlachtet. Allen Haltungssystemen gemeinsam sind relativ hohe Tierverluste. Gerade in den Großgruppen der alternativen Haltungsformen sind Verlustraten bis zu 18 % keine Seltenheit.

Eine weitere Schattenseite der einseitigen, noch vielen Verbrauchern unbekannten Zucht auf Legeleistung, ist die Tötung der männlichen Legehybrid-Hühner: Da diese Tiere weder Eier legen können, noch das schnelle Wachstum der Mastrassen aufweisen, sind sie aus ökonomischer Sicht wertlos. Noch am Tag des Schlüpfens werden die männlichen Küken bei lebendigem Leib mit einem Homogenisator (einer Maschine mit schnell rotierenden Messern) zerstückelt oder mit Kohlendioxid (CO2) vergast, wobei sie einen mindestens 60 Sekunden langen Erstickungstod sterben. So ergeht es allein in Deutschland jährlich 44,1 Mio. Küken.**

Die einzelnen Bundesländer gehen mit dieser Problematik sehr unterschiedlich um. Während in den meisten Fällen noch keine (ausreichende) Auseinandersetzung mit der Praxis erfolgt ist, hat das Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen im September 2013 das Kükentöten per Erlass untersagt. Hessen hat ein Jahr später das Töten der männlichen Küken untersagt. Die Untersagung greife aber erst, sobald die Geschlechtsfrüherkennung im Ei am Markt verfügbar sei. Das Tötungsverbot aus NRW wurde 2015 vom Verwaltungsgericht als unzulässig eingestuft, da das Tierschutzgesetz keine Rechtsgrundlage dafür sei. Nur eine Änderung des Tierschutzgesetzes würde dieses Tötungsverbot erlauben. Im September 2015 sprach sich der Bundesrat mit einem Verbotsantrag zur Kükentötung für eine solche Änderung des Tierschutzgesetzes aus, eine Forderung die zwei Monate später von der Bundesregierung abgelehnt wurde.


* Dieser Wert bezieht sich lediglich auf die Hennen von einem Jahr und älter hinzu kommen noch 12,9 Mio. Küken und Junghennen bis unter Jahr.

** Die Anzahl der getöteten männlichen Küken wird statistisch nicht erfasst, da jedoch davon ausgegangen werden kann, dass auf je ein geschlüpftes weibliches Küken ein männliches Küken kommt, lässt sich der Wert aus der Anzahl der geschlüpften Gebrauchslegeküken ableiten.

Quelle: Albert Schweitzer Stiftung

Männliche Küken werden geschreddert!

Sexen der Küken
Bei der Nachzucht der Legehennen sind die männlichen Küken aus ökonomischer Sicht wertlos: Sie legen keine Eier und sind nicht für die Mast geeignet. Zur Fleischproduktion werden speziell gezüchtete "Masthähnchen" benutzt, die sehr schnell wachsen und viel mehr Fleisch ansetzen.

Daher werden jedes Jahr allein in Deutschland fast 50 Millionen männ-liche Küken, die Brüder der zukünf-tigen Legehennen, an ihrem 1. Lebenstag aussortiert und getötet.

Dieser Vorgang wird "sexen" genannt. Die Küken werden entweder in einem "Homogenisator" zerstückelt oder mit Kohlendioxid vergast.

Sozialverhalten-Broilerküken - © Animal Equality

Das Sozialverhalten beginnt bei Hühnern in Freiheit schon im Ei. Bereits einige Tage vor dem Schlupf geben die Küken Laute von sich und kommunizieren mit der Außenwelt. Nach dem Schlupf leitet die Mutterhenne ihren Nachwuchs durch Futterlockrufe, Glucken, Schlafaufforder-ungen sowie unterschiedliche Warn- und Entwarnungsrufe.

Erst in der achten Lebenswoche trennt sich die Mutter von den jungen Hühnern. Masthühner erreichen dieses Alter gar nicht erst, denn sie leben gerade einmal vier bis sechs Wochen.

Masthühner zeigen nur ein einge-schränktes Sozialverhalten. Nachdem sie künstlich ausgebrütet wurden, fehlt ihnen nach dem Schlupf besonders die leitende Mutterhenne. Noch bis zu vier Tage nach dem Schlüpfen geben die Küken einen Verlassenheitslaut (auch Weinlaut genannt) von sich. Damit sich die vielen gleich jungen Tiere ohne leitende Alttiere zurechtfinden, sind die Mastställe in den ersten Tagen der Mast 23 bis 24 Stunden lang hell erleuchtet.

Die heranwachsenden Masthühner bleiben bei der unüberschaubaren Anzahl von Tieren regelrecht anonym. Allerdings schlachtet man sie ohnehin lange bevor sie ein Territorium oder eine Rangordnung ausbilden. Deswegen zeigen Masthühner deutlich weniger Aggressionen untereinander als Lege-hennen.

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