Masthühner

Masthühner in der Massentierhaltung In Deutschland lebten im März 2016 etwa 93,8 Mio. Hühner für die Hühnerfleischproduktion. Die Bezeichnung Hähnchen (auch Jungmasthühner oder Broiler ) gilt für männliche wie weibliche Masthühner gleichermaßen. 97 Prozent der Hühner leben in konventioneller Bodenhaltung. Hühner mit Auslauf ins Freie machen nur einen äußerst geringen Anteil aus. Im Jahr 2003 hielten noch etwa 9 von 10 Mastbetrieben weniger als 10.000 Masthühner. Zehn Jahre später lebten bereits knapp 77 % der Masthühner in Betrieben mit 50.000 und mehr Tieren. Heutzutage sind sogar Anlagen mit über 200.000 Tieren keine Seltenheit mehr. Viele dieser Betriebe arbeiten flächenunabhängig. Das bedeutet, dass sie kaum noch eigene Flächen bewirtschaften, sondern hauptsächlich zugekauftes Futter verfüttern.

Drei Mastverfahren kommen in der konventionellen Masthühnerhaltung in Deutschland zum Einsatz: In der Kurzmast werden die Hühner schon nach 28 bis 30 Lebenstagen mit etwa 1,5 kg Körpergewicht geschlachtet und in der Mittellangmast nach etwa 35 Tagen mit einem Mastendgewicht von 2 bis 2,2 kg. Bei der Langmast leben die Hühner etwa 42 Tage und erreichen ein Endgewicht von 2,7 kg.

In der Bodenhaltung leben die Hühner in großen geschlossenen und wärmegedämmten Hallen. Ein Auslauf ist kaum vorgesehen. Die Stallfläche ist gänzlich unstrukturiert und nur von Futtertrögen und Tränke-einrichtungen durchzogen. Da fast alle Abläufe im Stall technisiert sind, ist der Arbeitsaufwand im Verhältnis zur Tierzahl verhältnismäßig gering. Zu Mastbeginn stallt das Personal die aus den Brütereien angelieferten Eintagsküken ein. Etwa 5 bis 7 % dieser Küken sterben, bevor sie das (Schlacht-)Alter von ohnehin nur wenigen Wochen erreichen. Solche Verlustraten werden von den Mästern fest einkalkuliert.

Besatzdichte
In den einzelnen Mastställen sind Gruppen von 10.000 und mehr Tieren üblich. Bis zu 40.000 Tiere in einer Masthalle stellen jedoch auch keine Seltenheit mehr dar. In konventionellen Haltungsformen liegen die zulässigen Besatzdichten bei 33 bis 39 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Obergrenzen immer wieder überschritten werden. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kommt in seinem Gutachten Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung zu dem Schluss, dass die Maximalbesatzdichten in großen Betrieben kaum direkt zu überprüfen sind.

Bei der Kurzmast und einem Mastendgewicht von 1,5 kg müssen sich bei höchster (erlaubter) Besatzdichte etwa 26 Hühner einen Quadratmeter Platz teilen das entspricht pro Huhn etwas weniger als einem DIN-A5-Blatt plus einem Bierdeckel. Diese Masthühner haben also selbst bei den gesetzlich vorgeschriebenen Besatzdichten deutlich weniger Platz, als einer Legehenne im (inzwischen abgeschafften) Batteriekäfig zur Verfügung stand. In der Langmast teilen sich zwar weniger Tiere einen Quadratmeter, sie sind dafür aber schwerer und entsprechend größer. Quelle: Albert Schweitzer Stiftung

Besatzdichte

Schon unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ist die Fläche des Stallbodens zum Mastende mit Tieren bedeckt. Natürliche Verhaltensweisen wie Fortbe-wegung, Scharren, Gefiederputzen oder Flügelschlagen sind nur noch eingeschränkt möglich, da kaum noch freie Flächen vorhanden sind. Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Hühner erst bei Besatzdichten unter 27 kg pro Quadratmeter ein normales Sozial-verhalten zeigen. Das entspräche in der Kurzmast etwa 18 Tieren.

Da die Masthühner kaum Platz haben, um sich zu bewegen, liegen sie die meiste Zeit auf dem Stallboden. Dies begünstigt die Entstehung von Verhaltens-störungen und Erkrankungen. Auch das andauernde Gedränge schränkt das Wohlbefinden der Tiere enorm ein: Sie stehen unter starkem Stress, da sie keine Individualabstände einhalten können und keine Möglichkeit zum Ausweichen haben. In der Enge steigt außerdem das Risiko, dass sich die Hühner gegenseitig erdrücken.

Die hohen Besatzdichten haben auch tiefgreifende Folgen für das Stallklima. Die Tiere erzeugen vermehrt Wärme und die Luftzirkulation in Bodennähe nimmt ab, ein regelrechter Wärmestau entsteht. Außerdem wächst die Belastung der Tiere, da mehr Staub und Schadgase wie Ammoniak und Kohlendioxid in der Luft sind. Neben den tierschutzrelevanten Nachteilen einer hohen Besatzdichte sind auch wirtschaftliche bekannt, etwa eine geringere Gewichtszunahme. Diese Verluste gleichen die Halter jedoch durch mehr Tiere pro Fläche und Mastdurchgang aus.

Hühner Bodenhaltung

Hühner Bodenhaltung

Doku 37 Grad

Doku | 37 Grad

- Unser täglich Tier

Eine moderne Fleischfabrik schlachtet bis zu 22.000 Schweine oder 240.000 Hähnchen am Tag. 37 Grad blickte im Jahr 2014 hinter die Kulissen Fleischfabriken und gibt Einblicke in die Tierproduktion.

Heute laufen in einer einzigen Brüterei am Tag 300.000 Küken vom Band. Alles vollautomatisch. Maschinen brüten die Eier aus, Fließbänder transportieren die Küken, sortieren sie in Versandkisten. Es sind Hähnchen des Typs "Fleischansatz". In nur gut vier Wochen liegen sie bereits auf einem Teller. Die meisten jedenfalls, denn bis zu 20 Millionen Tiere pro Jahr überleben die kurze Mastzeit nicht.

Mehr als 600 Millionen Hähnchen wurden 2013 in Deutschland verarbeitet. Geflügel liegt voll im Trend. Der Hähnchenkonsum hat sich von 2001 bis 2010 verdoppelt. Längst sind diese Tiere schon genetisch auf schnelles Wachstum "programmiert". Vor allem die Brust wächst überdimensional, denn sie ist besonders gefragt. Tiere werden heute den Essgewohnheiten angepasst. Immer mehr werden immer schneller produziert, nur deshalb ist ihr Fleisch so billig.

Immer mehr, schneller, billiger

Megabetriebe für die Produktion von Hähnchen- und Putenbrust oder auch Schnitzel sind entstanden. Eine moderne Fleischfabrik schlachtet heute 22.000 Schweine oder 240.000 Hähnchen am Tag. Der Mensch kommt kaum mehr mit diesen Tieren in Berührung. Schon gar nicht der, der sie letztendlich isst. Oft wissen wir gar nicht, wo unser Essen überhaupt herkommt. Ob Hähnchen, Puten oder Schweine - Tiere scheinen eine anonyme Masse zu sein, die irgendwo lebt und irgendwie auf unseren Teller kommt.

37 Grad durfte hinter die Kulissen schauen und zeigt ungewöhnliche Einblicke in die oft verschlossene Welt der Tierproduktion. Autor Manfred Karremann begegnet dabei Dimensionen der Massenproduktion, die noch vor einigen Jahren Utopie waren. Dabei überrascht, dass sich im Tierschutz trotzdem manches verbessert hat. Nur eine Frage bleibt angesichts der Massenproduktion: Wie viel ist ein Tierleben wert? Thema des Films sind deshalb auch Alternativen. Denn die gibt es. Sie sind besser für die Tiere, aber auch gesünder für uns Menschen.

Manfred Karremann über seinen Film

Als ich mich 1988 zum ersten Mal mit einem Schlachthof beschäftigt habe, wurden dort vierhundert Schweine am Tag getötet. Im Text hieß es damals: "Etwa eine halbe Minute hat ein Schwein Zeit, um zu sterben." Das schien wenig, damals. Die Tiere wurden furchtbar getreten, geschlagen, gequält - Schweine wie Rinder. Die Arbeiter waren nicht ausgebildet, viele Tiere waren noch nicht einmal ansatzweise betäubt, wenn sie zerlegt wurden. Solche Quälereien gibt es noch. Ich habe sie immer wieder beobachtet, bis heute. In anderen Ländern ohnehin.

Doch: In Deutschland und Europa ist vieles auch besser geworden. Das Bewusstsein hat sich verändert. Wer heute in Deutschland mit Tieren auf Transporten oder Schlachthöfen arbeitet, muss zumindest "Sachkunde" nachweisen. Und gerade die Annahme, größer sei immer schlechter, trifft oft nicht zu. Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schlachtet heute 24.000 Schweine am Tag. Dort werden Tiere getötet - aber wenigstens keine Schweine geprügelt oder gar lebendig verbrüht oder zerlegt. Die Firma bemüht sich seit Jahren, den Tieren den letzten Gang nicht unnötig schwer zu machen. Das sollte alles selbstverständlich sein - ist es aber leider nicht.

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Körperliche Leiden und Schäden der Masthühner
Masthühner leiden trotz ihres kurzen Lebens an diversen Krankheiten. Bei einer längeren Lebenszeit würden noch massivere Gesundheitsprobleme und mehr Todesfälle vor der Schlachtung auftreten. Die schnelle Wachstumsrate und das hohe Körpergewicht verur-sachen einen Großteil der tierschutz-relevanten Probleme.

Die industriellen Haltungsbedingungen mit z. B. unzureichender Bewegung, hochverarbeitetem Kraftfutter und fehlenden Erkundungsanreizen verschär-fen die Situation. Folgende Erkrankungen mindern nicht nur das Wohlbefinden der Masthühner, sondern können auch zum Tod führen:

  • Knochendeformationen (z. B.: Fehlstellungen der Beine)

  • Beinerkrankungen

  • Beinschwäche (Entwicklungsstörungen des Skeletts)

  • Fußballenentzündungen

  • Hautentzündungen und Brustblasen (Flüssigkeitsbildung unter der Haut)

  • Hautverletzungen durch Picken oder Kratzen-Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B.: das tödlich verlaufende Aszitessyndrom)

  • Muskelerkrankungen

  • Gelenkentzündungen

  • Erkrankungen des Atmungstraktes durch Infektionen oder Schadgase

Antibiotika
Die Kombination aus industriellen Haltungsbedingungen, hohen Besatzdichten und Überzüchtung (s.u.) macht die Masthühner besonders anfällig für Infektionskrankheiten. Dabei ist das Verbreitungsrisiko von Infektions-erregern in andere Ställe umso höher, je mehr Mastbetriebe in einer Region angesiedelt sind. Im Falle einer festgestellten oder drohenden Infekt-ionserkrankung erhalten alle Tiere im Stall auch noch nicht erkrankte Antibiotika über das Trinkwasser.

Wo besonders viele Tiere pro Betrieb leben, ist die eingesetzte Antibiotika-menge sehr hoch. Eine gezielte Einzeltierbehandlung gibt es nicht. Eine Studie des nordrheinwest-fälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zeigte, dass 2011 im Unter-suchungszeitraum 9 von 10 Mast-hühnern Antibiotika erhielten. Da jeder Einsatz von Antibiotika zur Resistenzentwicklung bei Krank-heitserregern beiträgt, ist das besonders kritisch zu werten.

Schlaf- und Ruheverhalten

Hühner sind in der Natur tagsüber aktiv und schlafen in der Dunkelheit. Im Kükenalter liegen sie dazu noch eng beieinander am Boden. Als erwachsene Hühner flattern sie in der Abenddämmerung auf erhöhte Schlafplätze in Bäumen oder Büschen. Dieses Verhalten lernen sie als Jungtiere von ihrer Mutter. Masthühner sind hingegen aufgrund ihrer großen Muskelmassen kaum fähig, auf Sitzstangen zu ruhen oder schlafen. In Untersuchungen konnten nur leichtere Masthühner am Anfang der Mast Sitzstangen nutzen. Die schweren Masthühner bräuchten Rampen, um erhöhte Sitzmög-lichkeiten überhaupt erreichen zu können.

Masthühner sind im Vergleich zu weniger überzüchteten Hühnern sehr inaktiv und liegen die längste Zeit des Tages auf dem Stallboden. Die Ruhephasen einzelner Masthühner sind allerdings nur sehr kurz. Da keinerlei Rückzugsorte (wie z. B. Sitzstangen) und Raumstruk-turierungen vorhanden sind, fehlt eine Unterteilung der Stallflächen in Ruhe- und Aktivitätsbereiche. Aktive Tiere, die sich bewegen, flattern oder aufstehen, stören die am Boden ruhenden Masthühner.

Macht der Verbraucher

Als Verbraucher können Sie Einfluss darauf nehmen, wie Masthühner gehalten werden. Konsequent im Sinne des Tierschutzes ist der Verzicht auf Geflügelfleisch. Doch auch wenn Sie weiterhin Hühnerfleisch essen möchten, können Sie mit Ihrem Einkauf dazu beitragen, die Tier-schutzsituation der Masthühner zu verbessern: Kaufen Sie kein Hühnerfleisch aus konven-tioneller Landwirtschaft. Kaufen Sie Fleisch von Hühnern, die tiergerecht gehalten wurden, zum Beispiel vom NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltscho-nende Nutztierhaltung oder aus ökologischer Erzeugung. Dies ist zwar etwas teurer. Dafür werden die Tiere in kleineren Gruppen im Stall gehalten und haben Auslauf ins Freie. Immer häufiger werden dort auch langsam wachsende Zuchtlinien ohne zuchtbedingte Probleme eingesetzt.

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