Schächten

Die unterschiedlichen Auffassungen über das Schächten sind bekannt, die anima hat sich in vergangenen Jahren wiederholt mit dem Thema befasst. Ursprünglich berührte es nur das Verhältnis zum Judentum und es war quantitativ gegenüber den Schlachtungen insgesamt bedeutungslos. Wir meinten daher, unter Bedachtnahme auf historisches Geschehen sollten sich die Tierschützer aufs „christliche“ Schlachten konzentrieren, da gebe es genug an Grauslichem.

Die Zeiten haben sich geändert. Schächten ist ein muslimisches Thema geworden, quantitativ lässt es sich nicht mehr übersehen. Dazu kommen zwei Probleme: Einzelne muslimische Kreise verfechten ihre Ansprüche aggressiv – ein Beispiel brachte die letzte anima. Und zweitens, es wird erheblich mehr Schächtfleisch produziert als zur Versorgung gläubiger Moslems erforderlich ist. Der Überschuss wird teils über Lebensmittelmärkte etc. stillschweigend den unwissenden Konsumenten unterjubelt, manche allerdings werben offen mit halal.

Das EU-Parlament hatte im vergangenen Juni über Initiative der CDU-Parlamentarierin Dr. Renate Sommer aus dem Ruhrgebiet Abhilfe beschlossen. Mit einer soliden Mehrheit von 559 gegen 54 stimmte es für die Pflicht zur Etikettierung von Schächtfleisch mit folgendem Text: „Von vor der Schlachtung nicht betäubten Tieren.“ Dieser Beschluss bedurfte allerdings im Rechtsystem der EU auch der Zustimmung des EU-Ministerrats, der aus den Vertretern aller EU-Mitgliedstaaten besteht, in der Regel deren fachlich zuständigen Ministern. Der lehnte im Januar die Etikettierung ab. Das heißt praktisch, die Konsumenten dürfen nicht wissen, welches Fleisch sie kaufen.

Im Vorfeld waren natürlich die Lobbys am Werk. Muslimische Organisationen wandten sich entschieden gegen die Kennzeichnung, sie sei nur Ausfluss feindlicher Voreingenom-menheit gegen den Islam. Im Hintergrund ging es natürlich um erhebliche wirtschaftliche Interessen. Allein in Großbritannien wird die Zahl der halal getöteten, d.h. geschächteten Tiere auf jährlich 150 Millionen geschätzt. Nicht wenige Einrichtungen, darunter auch Schulen, geben dort, doch nicht nur dort, um Kontroversen mit Muslims zu vermeiden, überhaupt nur mehr Speisen, die halal sind, aus. Das führt natürlich erst recht zu Streit, diesmal mit Alteinwohnern, die nicht einsehen, weshalb sie sich Einwanderern beugen sollen. In den Niederlanden, wo in etlichen Gefängnissen nur mehr halale Speisen verabreicht werden – zweierlei Menüs wären zu teuer – hat ein Sträfling bereits die Gefängnisverwaltung geklagt. Der Zwang halal zu konsumieren sei eine unzulässige Strafverschärfung.

Den Streitern wider die Etikettierung hatten sich übrigens Vertreter orthodoxer Juden in Europa zugesellt. Der Grund: wirtschaftlicher Schaden. Die strengen jüdischen Gebote bewirken, dass in der Regel mehr als die Hälfte des geschächteten Fleischs nicht koscher ist und zu einem niedrigeren Preis an nicht jüdische Abnehmer weiterverkauft wird. Gekennzeichnet ließe es sich noch schlechter verkaufen.

Nun, all die Lobbyarbeit war wie gesagt erfolgreich. Der Ministerrat sagte nein und die Initiatorin des Parlamentsvorstoßes Frau Sommer soll bereits zurückgesteckt und versprochen haben, ihr Anliegen nicht mehr zu verfolgen. Es bleibt ein schlechter Nachgeschmack. Regierungen und Parlamente hatten muslimischen Einwanderern zuliebe einst tierfreundliche Gesetze zu Lasten der Tiere geändert und der Minderheit aus Respekt vor deren Religion deren Überzeugung, das Schächten für den Eigenbedarf erlaubt. Nun gehen Regierungen einen Schritt weiter und erlauben der Minderheit gegen die Volkvertretung nicht aus religiösen Gründen, nur des Geldes wegen, mehr als sie braucht zu schächten und den Überschuss der nicht muslimischen Bevölkerung zu unterschieben.

Die Regierungen treten also faktisch die religiös oder weltanschaulich motivierte Überzeugung der vielen Menschen, die das Schächten aus Tierschutzgründen ablehnen, mit Füßen. Der Konsumentenschutz, der Schutz der Verbraucher vor Irreführung ist ihnen anscheinend wurscht. Ehrlichkeit?

Nebenbei: ein Grund mehr, vegetarisch zu leben.
Es ist gut und wichtig, Minderheiten und ihre Rechte zu schützen. Doch ein paar Rechte sollte man wohl auch der Mehrheit zubilligen. Unterlassen das Regierungsgewaltige, sei es weil sie nicht in den Geruch des Rassismus und der Minderheiten-feindlichkeit kommen wollen oder einfach weil sie das Schicksal bei der Verteilung von Rückgrat übersehen haben, besteht eine Gefahr: Dass sie damit genau den Rassismus schüren, den sie vermeiden wollen.

Anmerkung:
Wie hat der für Österreich zuständige Gesundheitsminister Alois Stöger im EU-Ministerrat abgestimmt? Hierzu teilte sein Ministerium mit: „Das Bundesministerium für Gesundheit bedankt sich für Ihre Anfrage und kann Ihnen hierzu mitteilen, dass im Rahmen der parlamentarischen Beratungen zum österreichischen Tierschutz-gesetz (Anm.: im Jahr 2005) auch die von Ihnen aufgeworfene Frage hinsichtlich der Kennzeichnung von nach religiösen Riten geschlachtetem Fleisch eingehend erörtert wurde. Dabei kam man zu dem Ergebnis, keine diesbezügliche Kennzeichnung durch-zuführen. Dieser Ent-scheidung wurde bei der Beschlussfassung des Gesetzes von allen fünf im Parlament vertretenen Parteien zugestimmt. Dieser Beschluss ist auch Grundlage der Ent-scheidungen des Bundesministeriums für Gesundheit.“

Einfacher gesagt:

Der Minister hat die Kennzeichnung abgelehnt.

Unterschiedliche Auffassungen über das Schächten

Unterschiedliche Auffassungen über das Schächten

Die unterschiedlichen Auffassungen über das Schächten sind bekannt, die anima hat sich in vergangenen Jahren wiederholt mit dem Thema befasst. Ursprünglich berührte es nur das Verhältnis zum Judentum und es war quantitativ gegenüber den Schlachtungen insgesamt bedeutungslos. Wir meinten daher, unter Bedachtnahme auf historisches Geschehen sollten sich die Tierschützer aufs „christliche“ Schlachten konzentrieren, da gebe es genug an Grauslichem.

Die Zeiten haben sich geändert. Schächten ist ein muslimisches Thema geworden, quantitativ lässt es sich nicht mehr übersehen. Dazu kommen zwei Probleme: Einzelne muslimische Kreise verfechten ihre Ansprüche aggressiv – ein Beispiel brachte die letzte anima. Und zweitens, es wird erheblich mehr Schächtfleisch produziert als zur Versorgung gläubiger Moslems erforderlich ist. Der Überschuss wird teils über Lebensmittelmärkte etc. stillschweigend den unwissenden Konsumenten unterjubelt, manche allerdings werben offen mit halal.

Das EU-Parlament hatte im vergangenen Juni über Initiative der CDU-Parlamentarierin Dr. Renate Sommer aus dem Ruhrgebiet Abhilfe beschlossen. Mit einer soliden Mehrheit von 559 gegen 54 stimmte es für die Pflicht zur Etikettierung von Schächtfleisch mit folgendem Text: „Von vor der Schlachtung nicht betäubten Tieren.“ Dieser Beschluss bedurfte allerdings im Rechtsystem der EU auch der Zustimmung des EU-Ministerrats, der aus den Vertretern aller EU-Mitgliedstaaten besteht, in der Regel deren fachlich zuständigen Ministern. Der lehnte im Januar die Etikettierung ab. Das heißt praktisch, die Konsumenten dürfen nicht wissen, welches Fleisch sie kaufen.

Im Vorfeld waren natürlich die Lobbys am Werk. Muslimische Organisationen wandten sich entschieden gegen die Kennzeichnung, sie sei nur Ausfluss feindlicher Voreingenommenheit gegen den Islam. Im Hintergrund ging es natürlich um erhebliche wirtschaftliche Interessen. Allein in Großbritannien wird die Zahl der halal getöteten, d.h. geschächteten Tiere auf jährlich 150 Millionen geschätzt. Nicht wenige Einrichtungen, darunter auch Schulen, geben dort, doch nicht nur dort, um Kontroversen mit Muslims zu vermeiden, überhaupt nur mehr Speisen, die halal sind, aus. Das führt natürlich erst recht zu Streit, diesmal mit Alteinwohnern, die nicht einsehen, weshalb sie sich Einwanderern beugen sollen. In den Niederlanden, wo in etlichen Gefängnissen nur mehr halale Speisen verabreicht werden – zweierlei Menüs wären zu teuer – hat ein Sträfling bereits die Gefängnisverwaltung geklagt. Der Zwang halal zu konsumieren sei eine unzulässige Strafverschärfung.

Brutaler Vorgang

Wenn wir also diesen brutalen Vorgang aus der Situation der Tiere her betrachten, bzw. aus veterinärmedizinischer fachlicher Sicht, so zeigt sich, dass es in der heutigen Zeit in höchstem Maße unmenschlich und steinzeitlich ist – wenn schon Tiere geschlachtet werden – diese auch noch ohne jegliche Betäubung zu Tode zu quälen. Die Bundestierärztekammer, die Tierärztliche Vereinigung und alle unabhängigen und ehrlichen Veterinäre sprechen sich deshalb vehement gegen diese Art des Tötens aus!

Im Übrigen würde sich keiner dieser Schächtmetzger und Schächtbefürworter heutzutage ohne Betäubung einer Operation unterziehen!

„Die Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, die Religion ohne Naturwissenschaft aber ist blind.„(Albert Einstein)

Alle, die sich in unserer fortschrittlichen, modernen Zeit immer noch auf uralte Rituale versteifen – ohne Rücksicht darauf, ob Tiere (physisch) oder sensible, tierliebe Menschen (psychisch) schwer darunter leiden, sollten sich bewusst werden, was sie damit anrichten – und das auch noch unter dem Deckmäntelchen ‚Religionsfreiheit’!

Schächten muss aus dem Dunstkreis von Glauben, religiös hinterlegten Vorstellungen und sonstigen überlieferten Legenden herausgeholt werden. Wahre Religion verlangt keine Quälereien, sondern die Achtung vor dem Leben und der Würde aller Gottesgeschöpfe.

Wer behauptet, seine Religion verlange den qualvollen Tod von unschuldigen und wehrlosen Tieren, der stellt seine Religion selbst ins Abseits und degradiert sie zu einem unseriösen und sogar satanischen Kult.

Schächten ist auch deshalb keine Religionsvorschrift, weil keine Religion zwingend vorschreibt, dass Fleisch überhaupt gegessen werden muss.

Aus Gerechtigkeitsgründen muss die Schächtfrage juristisch als eigenständiger Sachverhalt nämlich als grausame Tierquälerei – behandelt und verurteilt werden.

Der Paragraph 4 a II Nr. 2 des Tierschutzgesetzes hat keine Berechtigung und ist demnach ersatzlos zu streichen.

Die Religionsfreiheit endet da, wo der Schaden für andere beginnt.

Beim betäubungslosen Schächten werden die Rechte all der Menschen rücksichtslos mit Füßen getreten, die von ihrer Veranlagung her als tierlieb bezeichnet werden können und da wiederum ganz besonders diejenigen, die sich aus Mitleid (kommt von „mitleiden„) uneigennützig für ein anständiges Verhalten gegenüber unseren Mitgeschöpfen einsetzen.

Hat man sich schon ein einziges Mal die Mühe gemacht, in einer Studie zu untersuchen, wie viele Menschen psychisch schwer darunter leiden, wie vielen Menschen ein gewaltiges Stück Lebensqualität genommen wird, wenn sie ständig mit brutalster Tierquälerei konfrontiert werden? Und unter seelischer Pein leidet schließlich auch die physische Befindlichkeit.

Etwa 80 % der Bevölkerung in Deutschland spricht sich mit Vehemenz gegen das Schächten aus! Und das mit Recht, denn die Gewalt und Brutalität ist in beängstigender Weise im Vormarsch! So, wie sich Kriege wegen der Grausamkeiten verrohend auswirken, so wirken sich auch Grausamkeiten an Tieren verrohend auf Menschen aus.

Unsere Jugend braucht gute, ethisch denkende Vorbilder – wo sind die Politiker, wo sind die Juristen, die Jugendlichen das so dringend notwendige Vorbild geben?

Stellungnahme von
Ingeborg Holst (Kampainerin)

Informativer Text

Lesen Sie einen informativen Text, den Dr. Gerhard Heybrock zum Anlass des islamischen Opferfestes "Kurban Bayrami" über das Schächten veröffentlicht hat:

Das religiöse Opferfest der Muslime steht wenige Stunden bevor. Aus diesem Anlass kursieren seit einigen Tagen wieder gehäuft Stellungnahmen zum sogen. Schächten in Presse und Internet, deren Spektrum von absoluter Befürwortung als religiös quasi unverzichtbare Handlung bis zu strikter Ablehnung als blanke Barbarei reichen. Zur Sinnhaftigkeit dieses Festes und dessen vermeintlicher Zwang, Opfertiere zu schächten, wird bereits vorab auf die Stellungnahme https://www.freitag.de/autoren/muhabbetci/das-opferfest-2010 verwiesen.

Wenn beispielsweise ein Frankfurter Halal-Steakhouse-Betreiber behauptet, Schächten bedeute, dass die Tiere nicht betäubt würden, bevor ihnen mit einem Messer an der Halsunterseite die Blutgefäße und Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden (http://www.rp-online.de/…/dieser-muslimische-steakhaus-betr…), spiegelt dies leider die bei der Mehrheit der Bevölkerung vorhandenen Unkenntnisse bzw. Missverständnisse in Sachen Schächten wider, und zwar unabhängig jeder Religionszugehörigkeit.

Leider hat hier offenbar auch die deutsche Gesetzgebung grob geschlampt, wenn selbst nach mehrfach aktualisierten Neuauflagen des Tierschutzgesetzes bis heute im § 4a der Passus lautet, „…Schlachten ohne Betäubung (Schächten)…“. Dies suggeriert, dass es sich generell beim Schlachten ohne Betäubung um Schächten handele und andererseits ein Schächten mit Betäubung nicht als solches zu bezeichnen sei. Beides ist falsch, denn 1. finden in normalen Schlachthöfen des Abendlandes aus verschiedensten Gründen, vieltausendfach und in grauenhaftester Weise unbetäubte Schlachtungen statt, und niemand kann dabei behaupten, es handele sich dabei um Schächtungen. 2. sind religionskonforme Schächtungen sehr wohl mit Betäubung möglich, in verschiedenen Ländern Europas sogar nur in dieser Form zulässig und werden – zumindest von den meisten Muslimen – ohne Beanstandung toleriert.

Beim Schächten erfolgt durch das Aufschneiden des Tieres direkt unter dem Kinn (nur ausnahmsweise bei Kamelen teilweise auch dicht über dem Rumpf) bis zur Wirbelsäule. Man sollte es daher vereinfacht als Kehlkopfschlachten von anderen Schlachtmethoden unterschieden, die allesamt nur den möglichst hochgradigen Blutentzug als direkte Todesursache schon aus Gründen der Fleischhygiene anstreben.

Keine der das Schächten traditionell praktizierenden islamischen oder jüdischen Glaubensgemeinschaften kann ein Betäubungsverbot zu dieser Schlachtform in den zugrunde liegenden religiösen Schriften vorweisen, allein aus dem einfachen Grund, dass diese bereits mindestens mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende zurück liegen, wo man derartige Maßnahmen weder kannte, noch mangels Kenntnissen des Nervensystem für möglich oder nötig hielt. Da die größtmögliche Schonung der Schächttiere für Muslime wie auch Juden in den religiösen Schriften durchaus thematisiert bzw. vorgeschrieben sind, lässt sich zwingend schlussfolgern, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Betäubung vorgeschrieben worden wäre, hätte man damals bereits über entsprechende Technik verfügt und die tatsächlichen psychischen und physiologischen Vorgänge wie auch die Dimension des Leidens durch die traditionelle Kehlkopf-Schnittführung bei den betroffenen Tieren gekannt.

Da dies heute längst der Fall ist, müssen Darstellungen zum Schächten, wie sie die Islamische Zeitung

(http://www.islamische-zeitung.de/passend-zum-id-al-kabir/)

jüngst von sich gegeben hat, als reine Augenwischerei erscheinen, die den tatsächlichen Sachverhalten und jeder offenkundigen Plausibilität so eklatant widersprechen, dass man als einigermaßen aufgeklärter Mitteleuropäer, der sich auch nur minimal mit dem Thema beschäftigt hat, nur den Kopf schütteln kann. Um nur einige Punkte anzusprechen:

Wenn das unbetäubte Schächten so sanft und schmerzlos abgeht, wie im o. g. Artikel dargestellt, wieso muss ein Tier dazu überhaupt gefesselt werden? Zum Streicheln muss man ja auch kein Tier fesseln! Wie stellt sich der Autor das schonende Fesseln, Umwerfen und das Kopf zu Boden Drücken eines Paarhufers zwecks Schächtung vor? Soweit mir bekannt ist, erleidet jedes Tier dieser Säugetiergruppe dabei bereits ohne Schächtschnitt, und ohne dass es vorher verprügelt, getreten oder sonst wie misshandelt wird (wie Videodokumente zahlreicher, von Muslimen weitgehend unbeanstandeten Schächtungen – siehe z. B. im Portal von Animals Australia – weitweit belegen) blanke Todesangst.

Wenn laut Darstellung ein Messer allein aufgrund seiner speziellen Zuordnung und extremen Schärfe einen quasi schmerzlosen Eingriff erlaubt wie behauptet, wieso verzichten die Chirurgieabteilungen der Krankenhäuser im Rahmen der Kostendämpfung nicht einfach auf Anästhesieärzte und umfangreiche Narkoseapparaturen und operieren – wenigstens Muslime und Juden, die unbetäubtes Schächten verlangen und von dessen Schmerzlosigkeit überzeugt sind –, nach derselben Logik ohne Narkose? Sind etwa die Skalpelle der Chirurgen weniger scharf als ein Schächtmesser? Empfinden Menschen und Tiere Schnittverletzungen total unterschiedlich – Menschen ja, Tiere nein?

Wieso werden beim ordnungsgemäßen Schächten Luft- und Speiseröhre des Tieres durchtrennt? Dies sind zum Ausbluten völlig überflüssige, da blutleere, allerdings extrem schmerzempfindliche Organe. Der Prophet, dem dankenswerter Weise die Schonung der Tiere am Herzen lag, hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diese Schnittführung verboten, wenn ihm bekannt gewesen wäre, dass man Tiere erfolgreich und ebenso „vollständig“ (soweit überhaupt möglich) wie beim westlichen Schlachten (mit und ohne Betäubung) ausbluten lassen kann, wenn man sich darauf beschränkt, die Halsschlagadern beiderseits des Halses aufzuschneiden, und zwar nicht unmittelbar unter dem Kinn, sondern in einer dem Rumpf näher gelegenen, weniger verzweigten Position.

Genau hierin liegt der generelle und für das betroffene Tier große Unterschied zwischen Schächten und Schlachten. Beide Varianten sind ohne Betäubung mit unerträglichen Schmerzen und Todesangst verbunden, bei unbetäubten Schächten jedoch mit einer zusätzlichen Extradosis an Qualen durch die Schnittschmerzen bei der Durchtrennung von Kehlkopf, Luft- und Speiseröhre, mehrerer großer Halsnerven (bei weiterhin intaktem Spinalnerv des Rückenmarks) sowie die Erstickungspanik durch Verschlucken von eingeatmetem Blut und Mageninhalt.

Allerdings sind Tiere nach dem Kehlkopfschnitt nicht mehr zum Brüllen befähigt – Vokalisieren nennt man das in wissenschaftlich neutraler Fachsprache. Das ist bequemer für die Akteure des Geschehens und schont die Nerven der beteiligten Personen. Auch nachträgliche Bewegungen werden von den betroffenen Tieren (zumindest Schafen) wohl weitgehend deshalb unterdrückt, weil sie zusätzliche Schmerzschübe in der klaffenden Halswunde bewirken, die das betroffene Tier selbstverständlich zu vermeiden sucht.

Das scheint einige Menschen zu der trügerischen Vorstellung zu veranlassen, dass beim betroffenen Tier bereits Bewusstlosigkeit vorliege und Schmerzen ausgeschaltet seien. Die oft geäußerten Behauptungen, der Tod eines geschächteten Tieres träte im Zeitraum zwischen 10 und 15 Sekunden nach dem Schnitt ein, sind wohl auch in diesem Zusammenhang zu verstehen und schon physiologisch unglaubwürdig. Sie stehen anderen belegten Quellen von Zeitspannen bis etwa 13 Minuten entgegen. Und selbst Sekunden sind eine förmliche Ewigkeit, wenn sie mit Extremschmerzen verbunden sind. Jeder der das bezweifelt, sollte mal seinen Finger in kochendes Wasser halten. Er wird dies vermutlich nicht eine volle Sekunde lang ertragen können.

Dass ein Schächten mit Betäubung sehr wohl möglich ist (über den Erfolgsgrad der Narkose und den damit ggf. ebenfalls verbundenen Leiden lässt sich auch beim Normal-Schlachten streiten), beweist bereits ein historischer Vorgang, der 2001 in der Türkei das Schächten mit Betäubung durch das Engagement der schweizerischen Tierschutz-Organisation Animal Life zunächst erfolgreich ermöglichte. Allein ebenso einflussreichen wie starrsinnigen Islamisten ist es zu verdanken, dass hier bereits zwei Jahre später der „Traum“ westlicher Tierschützer von einer humaneren Schlachtform innerhalb eines islamischen Landes wie eine Seifenblase platzte und seitdem in der Türkei allenthalben wieder nach alter Väter Sitte unbetäubt geschächtet wird (http://www.animal-life.ch/…/berichte_und_infos_2011/schaech…).

Die westliche Welt – allen voran ihre sogen. Volksvertreter – scheint das wenig zu interessieren. Es stört sie auch offenbar nicht im Geringsten, wenn sich Menschen aus Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl dagegen zur Wehr setzten, wenn Tieren aus purer Tradition und vermeintlich religiösem Zwang Qualen zugefügt werden und sie deshalb als Islamfeinde oder Neonazis beschimpft werden. Allem Anschein nach ist Europa bestrebt, seine Gesetze weitgehend unwidersprochen den Wünschen religiöser Extremisten anzupassen, anstatt sich an humanem Fortschritt und plausibler Logik zu orientieren.

Dass das Schächten etwa deshalb akzeptabel sein soll, weil es im Sinne des o. g. Artikelautors „nach strengen Regeln“ abläuft, ist lächerlich. Auch die spanische Corrida de Toros läuft – im Unterschied zu anderen Formen christlich-europäischer Tierquälereien – nach strengen Regeln ab und ist deshalb nicht weniger grausam und barbarisch – eine Schande übrigens, vor allem für die Katholiken und verschiedene ihrer „Heiligen“ in deren Namen sie weitgehend widerspruchslos praktiziert wird.

Überhaupt fällt auf, dass tödliche Traditionen weltweit auf einen viel zu großen Prozentsatz von Menschen eine eigentümliche Faszination ausüben und ihre Befürworter meist auf Biegen und Brechen an deren Fortsetzung festhalten und bereits Kinder an Messerstecherei und Blutvergießen gewöhnen.

Umso ehrenhafter ist z. B. die Arbeit von Animal Life, in deren Namen sich engagierte Personen bis zur blutig schmutzigen Basis der Schlachthöfe begeben und mit beispiellosem Einsatz und teilweise ebensolchen Erfolgen versuchen, das immense Leiden der Tiere durch die weitgehend ignorante Menschheit abzubauen (http://www.animal-life.ch/…/ak…/aktuell_bericht_projekt.html). Und wer immer noch glaubt, dass Schächten ohne Betäubung so harmlos ist wie die friedlich grasenden Schafe, die man als Blickfang des o. g. Schächtartikels ausgesucht hat, dem sei empfohlen, sich mal Real-Videos zum Thema anzusehen

(z. B. unter http://www.animal-life.ch/…/bet…/schaecht_filme_auswahl.html ).


Gerhard Heybrock

Den kompletten Text mit Bilder und einem Teil 2 finden Sie hier:
http://www.pro-iure-animalis.de/index.php…

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Opfern heißt: sich selbst ein Opfer abfordern.

Wer sich selbst kasteit, auspeitscht oder andere religiös bedingte Handlungen bei sich ausführt, tut das aus der freien eigenen Entscheidung heraus. Sich selbst Schmerzen zufügen, um Buße zu tun für die begangenen Sünden oder Untaten - dies kann man als „echtes Opfer„ bezeichnen.

Tiere zu opfern (schächten) sind demzufolge „falsche Opfer„, denn kein Tier würde sich freiwillig höllischen Qualen und dem Tod preisgeben! So, wie Menschen immer andere als „Sündenböcke„ suchen und finden, so suchen und suchten sie sich auch andere Lebewesen aus als „ihre Opfergaben„, um Gott oder „Götter„ gnädig zu stimmen.

Dies konnte nur deshalb gang und gäbe werden, sogar bis in unser „aufgeklärtes Zeitalter„ hinein, weil Tiere nicht als fühlende Lebewesen, sondern als minderwertige Materie betrachtet wurden – als Objekte sozusagen, denen man jegliche Gewalt und Grausamkeit antun kann.

Wir sind inzwischen im 21. Jahrhundert angelangt, mit einer neuen Einstellung zum Tier als Mitgeschöpf (s. Schutz der Tiere im Grundgesetz). Wir haben außerdem – relativ gesehen – eine mehrheitlich tierfreundliche Bevölkerung in Deutschland.

Aus den oben genannten Gründen ist es erforderlich, das betäubungslose Schächten abzukoppeln von Religions-auslegungen und legendärem Glauben, ganz abgesehen davon, dass weder in Thora, Talmud oder Koran ein solch tierquälerisches Töten zwingend gefor-dert wird.

Dieses Problem kann nur aus Sichtweise der Tiere gesehen und behandelt werden, denn diese sind einzig und allein die Leidtragenden! Und sie sind zudem völlig unschuldig an all den Verbrechen, die Menschen begangen haben. Die Tiere haben keine Schuld auf sich geladen und sie können (und dürfen) auch nicht „büßen„ für die Verderbtheit der Menschen.

Es geht demnach beim Schächten um Verbrechen an wehrlosen Tieren – nicht um Glauben oder gar Religion!

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